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Marco Gies

Der Schulranzen-Ratgeber

Liebe Eltern, liebe Lehrkräfte, liebe Erzieher/innen,

 

mit der Einschulung beginnt für Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Der Ranzen wird sie über Jahre hinweg begleiten.

 

Dabei ist vielen Folgendes völlig unbewusst:

Ein zu schwerer Schulranzen ...

... schädigt die wachsende Wirbelsäule

... führt zu einer schlechten Körperhaltung

... beeinträchtigt die Atmung

 

Eine Untersuchung mit mehr als 2.000 Kindern ergab, dass die meisten Kinder kein angemessenes Ranzengewicht trugen. Auch die Einstellung der Schulranzen gibt häufig Anlass zur Kritik. Untaugliche und zu schwere Ranzen, schlechte Schulmöbel und Bewegungsmangel führen dazu, dass zum Ende des Grundschulalters schon 48% der Kinder über Rückenschmerzen klagen. Diese sind oft Ursache für

Konzentrationsschwächen und schlechte schulische Leistung.

 

Wir Erwachsene sind aufgefordert, für eine gesunde Haltungsentwicklung unserer Kinder zu sorgen.

 

Dieser Beitrag soll eine kleine Hilfestellung sein.

 

Infos und Tipps für Eltern

Folgende Punkte sollten Sie im Sinne einer gesunden Entwicklung Ihres Kindes beachten:

 

Bewegen Sie sich zusammen mit Ihrem Kind in der Freizeit und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Nur so kann sich Ihr Kind gesund und fit entwickeln. Derart trainiert, kann Ihr Kind auch ein etwas höheres Ranzengewicht „verkraften”

 

Unterstützen Sie Schule und Lehrkräfte bei Schulprojekten zur Förderung der Gesundheit

 

Achten Sie auf eine ausgewogene und kalziumhaltige Ernährung

 

Kaufen Sie einen eher kleinen Ranzen (bis ca. 1,4 kg). In einem großen wird auch mehr mitgenommen.

Rucksäcke sind zwar leichter, allerdings werden sie ergonomischen Anforderungen nicht gerecht und sind für die Grundschule ungeeignet.

Die Schulranzenhersteller haben sich ihrer Verantwortung bereits gestellt und bieten entsprechende Produkte an. Natürlich gibt es Unterschiede, lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten.

Ihr Kind sollte den Ranzen in jedem Fall Probe tragen.

 

Schulranzen-Check

Insbesondere im Grundschulalter sind die Knochen noch weich und (ver-)formbar und daher besonders anfällig. Dazu kommt, dass Grundschulkinder nicht die Muskelkraft besitzen wie ältere Kinder. Daher ist besonders auf das Ranzengewicht zu achten. Der Löwenanteil am Schulranzengewicht ist der Inhalt. 7 kg und mehr sind keine Seltenheit. Kein Wunder, kommen beim Überprüfen doch oft viele Dinge zum Vorschein, die nicht hineingehören.

 

Überprüfen Sie mit Ihrem Kind regelmäßig den Schulranzen. Legen Sie Ihr Augenmerk dabei besonders auf den Inhalt

 

Spielsachen oder Sammelhefte sollten im Sinne der Gewichtsreduktion zu Hause bleiben

 

Auf große, schwere Getränkeflaschen sollte verzichtet werden

 

Klären Sie mit der Lehrkraft, welche Unterrichtsmittel in der Schule und welche zu Hause bleiben können

 

Übertragen Sie Ihrem Kind nach und nach die Verantwortung

 

Ziel ist es, jedes überflüssige Gramm zu vermeiden!

 

Das richtige Tragen

Ein kurzer Fußweg zur Schule oder nach Hause macht fit!

Ein gut passender und eingestellter Schulranzen ist in der Lage, die Belastung optimal zu verteilen.

Das Gewicht wird dabei möglichst körpernah positioniert.

Die Rückenpartie wird optimal gestützt.

 

Falsches Tragen – die Folgen!

Fehl- und Mehrbelastungen sind bereits vorprogrammiert, wenn der Ranzen lässig in der Hand oder mit nur einem Schultergurt getragen wird. Der Körper muss nämlich zur Kompensation der einseitigen Belastung eine ausgleichende Haltung einnehmen. Zudem ist durch die veränderten Hebelkräfte die Belastung höher. Dauerhaft kann das zu Haltungsstörungen führen. Bei zu lang eingestellten Gurten wird durch die veränderte Haltung zusätzlich die Atmung beeinträchtigt.

 

Die Einstellung ist wichtig!

Der Ranzen sollte immer mit beiden Schultergurten auf dem Rücken getragen werden.

Beide Riemen sind straff gezogen, schwere Gegenstände sind möglichst rückennah im Ranzen verstaut.

Der Schulranzen liegt an beiden Schulterblättern an. Die Oberkante verläuft waagrecht und befindet sich auf Höhe der Schultern.

 

 

Rucksack - hip aber rückenbelastend

Während Schulranzen konstruktionsbedingt ein gewisses Grundgewicht (1050 - 1350 Gramm) aufweisen, sind so genannte Freizeitrucksäcke leichter. Sind sie daher besser?

Nein! Ihnen fehlt es im Gegensatz zum Ranzen an der nötigen Eigenstabilität. Diese ist nötig, um das Gewicht des Inhalts gleichmäßig zu verteilen. Die heute coole Trageweise, nämlich mit möglichst lang eingestellten Riemen, tut ihr Übriges.

 

Die Hebelkräfte

Die entstehenden Hebelwirkungen erhöhen die Belastung auf Muskeln, Knochen und Gelenke erheblich.

Darüber hinaus ist das Rückenteil oft nicht ausreichend gepolstert, der Inhalt drückt gegen den Rücken.

Finger weg!

 

Tipp:

Ergonomisch geformte Schulranzen helfen, die Belastungen entsprechend klein zu halten!

 

 

Der geeignete Schulranzen

Grundvoraussetzung ist, dass der Schulranzen optimal passt. Ranzen ist nicht gleich Ranzen und natürlich findet man auch bei

Einschülern große Unterschiede hinsichtlich Größe und Körperbau. Generell gilt aber: Der Schulranzen sollte ein ergonomisch geformtes Rückenteil besitzen, welches der natürlichen Form der Wirbelsäule nachempfunden ist. Polster links und rechts gewährleisten eine mittige Platzierung des Ranzens auf dem Rücken. So wird eine möglichst geringe, weil symmetrische Belastung der Wirbelsäule erreicht. Die Tragegurte sollten gut gepolstert sein, um den Druck auf die Schultern großflächig verteilen zu können. Bei guten Ranzen sind diese zudem „bananenförmig“ ausgeführt, weil so ein Rutschen der Gurte verhindert wird.

 

Eine Anmerkung zum Ranzengewicht:

Qualitative Ansprüche fordern ein Mindestmaß an Materialeinsatz. Extremer Leichtbau ist nicht sinnvoll, weil dieser zu Lasten der Stabilität geht. Das Rückenteil sollte eine hohe Festigkeit haben, damit der Inhalt nicht auf den Rücken drücken kann.

 

Das ist uns wichtig:

Gehen Sie mit Ihrem Kind für eine Probeanpassung zu einem Fachhändler. Dort erhalten Sie die nötige fundierte Beratung!

 

 

Quelle: BUNDESARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR HALTUNGS- UND BEWEGUNGSFÖRDERUNG e. V.